Um euch das Warten auf die diesjährigen Shortlists und die Verkündung der Sieger*innen zu verkürzen, haben wir in der Zwischenzeit mit den Vorjahresgewinner*innen über ihre Erfahrungen gesprochen.
Hier kann man einen Teil der Verleihung der Stipendien auf der Frankfurter Buchmesse 2024 nachsehen.
Juli Pieper (JP) steckt schon seit der Kindheit mit dem Kopf in den Wolken und entdeckt die Welt durch Reisen und Geschichten. Sie studierte Drehbuch und Dramaturgie an der Filmuni Babelsberg und arbeitet seitdem als Autorin für Audio und TV in Berlin. Mit „Novalis“ siegte sie in der Kategorie Debüt.
Iris Leonard (IL) stammt aus Rheinland-Pfalz, lebt aber seit dem Studium in Thüringen. Ihre Fantasyideen sind vielfältig: von Urban Fantasy über märchenhafte Low Fantasy bis hin zu Cyberpunk; wobei nicht alle Projekte zum Abschluss gekommen sind, weil das Leben manchmal leider dazwischen kommt. Das Projekt „Der geheime Preis der Magie“ bescherte ihr den Sieg in der Kategorie Roman.
Jacqueline Kayser (JK) arbeitet als Journalistin und Lektorin und wohnt mit ihren drei Kindern, ihrem Lebensgefährten und vielen Tieren (Hund, Katzen, Hühner,…) auf einem Bauernhof im Norden von NRW. Auch wenn sie sich durch alle Genre liest und lektoriert, hängt ihr Schreibherz an der Kinderliteratur. Ihr Projekt „Othis, Cassia und das spiegelnde Ei“ errang in der Kategorie Kinder- und Jugendbuch den Sieg.
Marcel Alber (MA) hat bereits zwei Fantasybücher im Selfpublishing veröffentlicht. Jetzt widmet er sich seiner großen Liebe – dem Horror. Schon seit seiner Kindheit liebt er Horrorgeschichten, ob Bücher oder Filme. Mittlerweile schreibt er als Filmjournalist für DEADLINE – Das Filmmagazin und hat einige Legenden des Genres interviewt. Das hat ihn motiviert, selbst Horror zu schreiben. Mit „Die Sterbenden“ siegte er in der Sonderkategorie Horror.
PAN: Stellt eure Projekte bitte einmal vor.
JP: „Novalis“ ist ein verspieltes, humorvolles Fantasy-Abenteuer in einer steampunkigen Welt zwischen Industrialisierung und mystischen Nebeln. Zwischen Menschen, Magischen und Maschinenwesen brodeln Konflikte. Besonders verhasst sind Gestaltwandler. Eine von ihnen ist Rabe, die bisher allem davongeflogen ist – vor allem sich selbst. Doch als ihr bei einem Diebeszug zum Luftschiff Novalis vom Wissenschaftler Calduun die Verwandlungsfähigkeit genommen wird, muss sie unter dem Kommando der Kapitänin Ellesmere mit einer diversen Crew auf Forschungsreise gehen und sich erstmals Konsequenzen, Beziehungen und sich selbst stellen. Allerdings wirbelt Rabe bei ihren Fluchtversuchen Geheimnisse der Novalis und der Kapitänin auf, die das gesamte Schiff in Gefahr bringen. Und dann ist da noch diese magische blaue Blume …
IL: Mein Projekt „Der geheime Preis der Magie“ spielt in einem modernen Paris, in dem es eine Gesellschaft aus Magiern gibt, die Magie wirken, indem sie sich Gegenstände ausleihen. Ausleihbar ist dabei fast alles: vom zerliebten Teddybären bis zum Appartement auf der Champs-Élysées. Doch es gibt strenge Regeln, was an wen verliehen werden darf. Meine Protagonistin leiht sich einen Namen, etwas, was verboten ist. Damit kommt sie ihrem Ziel, in der Gesellschaft aufzusteigen, plötzlich sehr viel näher – aber sie riskiert auch, ganz aus der Magie-Elite verstoßen zu werden.
JK: Antiheld Othis mit Magiephobie muss sich in einem magischen Land behaupten und zugleich mit seiner Freundin Cassia ein Ei mit brisantem Inhalt verstecken. Leser*innen ab 10 Jahren werden eingeladen, mit „Othis, Cassia und das spiegelnde Ei“ in eine 1920er Welt mit Steampunk-Elementen und sonderbaren Tieren abzutauchen. Mit dieser Geschichte möchte ich Kinder und Jugendliche ermutigen, für sich und andere einzustehen.
MA: In meinem Roman „Die Sterbenden“ geht es um Zombies. Allerdings nicht in großen Horden, wie man es sonst vom Genre kennt: Es geht um eine Reinigungsfachkraft, die mit einem einzigen Zombie in einem riesigen Bürokomplex eingesperrt ist und ums Überleben kämpft. Im Vordergrund stehen Paranoia und Angst, nicht unbedingt der Gewaltfaktor. Gleichzeitig wollte ich ein Setting schaffen, das es mir erlaubt, über Klassenunterschiede und Kapitalismus zu sprechen. Wie auch schon George A. Romero möchte ich den Zombie als Motiv nutzen, um über gesellschaftliche Missstände zu reflektieren.
PAN: Mit welchen Erwartungen seid ihr in diesen Wettbewerb gegangen?
JP: Ehrlich gesagt habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, das PAN-Stipendium zu bekommen. Ich durfte „Novalis“ zwar bereits im Rahmen der „Akademie für Kindermedien“ damals noch als Jugendstoff weiterentwickeln, aber ich habe noch nie einen Roman geschrieben und mich dann natürlich umso mehr gefreut, als ich erfahren habe, dass „Novalis“ auch andere Menschen begeistert.
IL: Ich habe schon insgeheim gehofft, dass es diesmal etwas wird, denn für mich war es nicht das erste Mal auf der Shortlist. Aber die Liste der Shortlist-Projekte war lang und klang wirklich sehr gut, also habe ich mir nicht zu viele Chancen ausgerechnet. Alle guten Dinge sind bei mir auf jeden Fall drei!
JK: Insgeheim habe ich gehofft – quasi als Anti-Imposter-Booster –, mein Projekt auf der Shortlist wiederzufinden. Für mehr reichte meine Vorstellungskraft nicht.
MA: Ich hatte definitiv nicht die Erwartung, als Gewinner hervorzugehen! Für mich war die Bewerbung fürs Stipendium in erster Linie eine gute Möglichkeit, über meine Geschichte zu reflektieren und alle Unterlagen, wie die Leseprobe und das Exposé, auf Vordermann zu bringen. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass mein Stoff so sehr auf Gegenliebe stoßen würde. Als ich dann auf die Shortlist kam, war die Hoffnung natürlich groß, mithilfe des Stipendiums an meiner Geschichte zu feilen und auch etwas Aufmerksamkeit für das Projekt zu generieren.
PAN: Was hattet ihr euch für die Zeit des Mentorings vorgenommen?
MA: Das Mentoring sollte mir dabei helfen, meine Routine beim Schreiben wiederzufinden. Ich hatte zu Beginn des Stipendiums mit einer kleinen Schreibblockade zu kämpfen, die es schwer machte, den Stoff weiterzuentwickeln. Ich wollte daher unbedingt von jemandem mit langjähriger Erfahrung lernen, welche Strategien und Tricks es gibt, um seine Kreativität nach einer längeren Pause wieder anzufachen. Was mir zum Glück auch sehr gut gelungen ist!
IL: Ich habe mir vor allem vorgenommen, regelmäßig zu schreiben und mit meiner Mentorin auch einige Fragen rund um den Weltenbau durchzugehen.
JK: Wahrscheinlich sollte ich erwähnen, dass mein Manuskript zu Beginn des Mentorings nur rund 10.000 Wörter weniger maß als jetzt und gefühlt fast fertig war. Mein Ziel war deshalb nicht nur, die Rohfassung zu beenden, sondern eine bewerbungstaugliche Version zu erschaffen.
JP: Meine vorsichtige Hoffnung war, in der Zeit eine (halbe bis ganze) erste grobe Fassung zu schaffen.
PAN: Habt ihr diese Ziele gut erreichen können?
IL: Größtenteils ja. Ich habe relativ gut und regelmäßig an meinem Projekt gearbeitet und die Hinweise und Ideen meiner Mentorin waren immer hervorragend und super hilfreich. Ich bin nur nicht so weit gekommen, wie ich anfangs gehofft hatte. Ich schreibe einfach zu langsam …
JP: Halbwegs. Eine komplette erste Fassung war angesichts meines doch recht aufwendigen und umfänglichen Stoffes in der Kürze der Zeit (neben dem normalen Leben) etwas über-ambitioniert, aber ich bin ein enormes Stück vorangekommen. Die „Novalis“ und all ihre Charaktere sind endlich aus meinem Kopf heraus auf die Seite (bzw. den Bildschirm) gesprungen und haben eine konkrete Gestalt angenommen. Hilfreich war dabei auch der Aufenthalt in der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar, wo ich „Novalis“ dann auch noch auf einer kleinen Lesung einem sehr humorvollen Publikum vorstellen durfte, das zu meiner Freude an den richtigen Stellen gelacht hat. Es war eine wunderbare Erfahrung, Menschen zum Lachen zu bringen.
JK: Ja, auch wenn es länger gedauert hat als gedacht. Einerseits lag dies an privaten Dingen, andererseits hat meine Mentorin einige hilfreiche Denkprozesse angestoßen. Mit meiner kleinen Lesung aus dem Manuskript auf der Leipziger Buchmesse habe ich außerdem einen wichtigen Punkt auf meiner Bucket List abhaken können.
MA: Definitiv! Mein Mentor, war eine große Hilfe und ein toller Gesprächspartner, der auf viele Jahre des Schreibens zurückblicken kann. Er konnte Strategien mit mir teilen, die wirklich sehr hilfreich waren. Vor allem war es jedoch auch wichtig, einfach mal zu hören, dass es ganz normal ist, wenn man mal eine Pause braucht – und dass das nichts ist, wofür man ein schlechtes Gewissen haben muss. Ich denke, dass viele Autor*innen sich schlecht fühlen, wenn sie eine Zeit lang nicht schreiben. Aber jetzt weiß ich, dass das zum Prozess dazugehört. Und dass es, wenn man es richtig angeht, auch wirklich konstruktiv sein kann, solange man die Pause effektiv nutzt.
PAN: Wie ist der aktuelle Stand eures Projekts und was sind eure weiteren Pläne?
IL: Ich stecke immer noch in der Bearbeitung, habe aber in Zusammenarbeit mit meiner Mentorin große Schritte gemacht und auch viele Probleme in der ersten Hälfte des Plots ausgebügelt. Ich hoffe, das Manuskript im Laufe dieses Jahres zu einem Abschluss zu bringen. Und dann schaue ich weiter.
JP: Aktuell stehen etwa 4/5 und ich hoffe, bis Ende des Jahres eine lesbare erste Fassung zu haben.
JK: Aktuell bewerbe ich mich mit dem Manuskript bei einigen Literaturagenturen, aber ich liebäugle eigentlich auch mit dem Selfpublishing. Ich fände es großartig, bis zum Jahresende zumindest den Veröffentlichungsweg festgelegt zu haben. Nebenbei schreibe ich am zweiten Band der Trilogie.
MA: Mein Roman ist so gut wie fertig. Seitdem ich das Stipendium verliehen bekommen habe, hat sich unglaublich viel Motivation in mir freigesetzt. Deswegen habe ich in den letzten Monaten fleißig geschrieben und geschrieben. Ich befinde mich nun in den letzten Kapiteln und habe einen ersten Entwurf bereits an Testleser*innen verschickt. Die beste und größte Nachricht ist jedoch, dass ich durch das Stipendium tatsächlich einen Verlag gefunden habe! Gemeinsam mit dem Alea Libris Verlag werde ich mein Buch veröffentlichen – worüber ich mich wahnsinnig freue! Damit geht ein großer Traum in Erfüllung.
PAN: Was möchtet ihr zukünftigen Teilnehmenden mit auf den Weg geben?
IL: Das Stipendium ist eine tolle Gelegenheit, mit seinem Schreiben voranzukommen und Kontakte zu knüpfen. Wenn ihr darüber nachdenkt, euch zu bewerben, dann macht es unbedingt! Und wenn es nicht geklappt hat, versucht es im nächsten Jahr wieder. Manchmal dauert es ein wenig!
MA: Ich möchte allen zukünftigen Teilnehmenden auf jeden Fall ans Herz legen: Traut euch, euer Projekt der Welt zu zeigen! Ich habe durch das Stipendium einen Verlag gefunden, was ich niemals erwartet hätte. Es werden sich Türen öffnen und Chancen ergeben, mit denen ihr wahrscheinlich noch gar nicht rechnet. Manchmal bedeutet das, dass ihr das Stipendium gewinnt; manchmal bedeutet es aber auch einfach nur, dass die richtige Person auf euren Stoff aufmerksam wird – und der Rest wird sich ergeben. Ihr müsst nur den ersten Schritt wagen!
JP: Versucht es! Allein die Bewerbung ist schon ein hilfreicher Anlass, ein geliebtes Projekt weiterzuentwickeln und eine runde Leseprobe oder natürlich auch mehr zu schaffen. Und neben der Anerkennung und Unterstützung durch das Stipendium selbst ergeben sich durch PAN auch wunderbare Möglichkeiten, sich mit anderen fröhlichen Nerdautor*innen zu vernetzen, statt so viel allein am Schreibtisch mit seinen fiktiven Freunden und Feinden sitzen. 😉
JK: Auch wenn die Bewerbung zeitintensiv ist und die Vorgaben streng erscheinen: Es lohnt sich, früh ein Exposé zu entwickeln und die Leseprobe zu überarbeiten – allein das hat mein Projekt enorm weitergebracht! Allen, die nicht gewonnen haben, wünsche ich, dass sie nicht den Mut verlieren und ihre im doppelten Wortsinn phantastischen Geschichten weiterschreiben. Den anderen Stipendiat*innen natürlich ebenso! Wie Gandalf sagt: „Alles, was wir entscheiden müssen, ist, was wir mit der Zeit anfangen, die uns gegeben ist.“ Setzt euch klar definierte, erreichbare Ziele auf eurer (begleiteten) Schreibreise – aber macht euch keinen Druck. Am wichtigsten ist, dass ihr euch den Spaß am Schreiben bewahrt. Möge es sich anfühlen wie ein Feuerwerk im Auenland – nicht wie ein mühsamer Marsch zum Schicksalsberg.
PAN: Vielen Dank für eure Antworten. Wir wünschen euch weiterhin viel Glück und Erfolg in eurem Schaffen!