Um euch das Warten auf die Verkündung der diesjährigen Sieger*innen zu verkürzen, haben wir in der Zwischenzeit mit drei der Vorjahresgewinner*innen über ihre Erfahrungen gesprochen.
Letztes Jahr hatten gewonnen:
Jules B. Asches in der Kategorie Debüt mit „Die Siebzehnte“
Nele Sickel in der Kategorie Roman mit „Junges Blut und alte Knochen“
Junipa Green in der Kategorie Kinder- und Jugendbuch mit „Funkenfeuer“
Anna Hager in der Kategorie Cozy Fantasy mit „Wildflower Witch“
Noch einmal ganz herzliche Glückwünsche an alle vier!

PAN: Stellt bitte euch und eure Projekte vor.
Jules B. Asches (JBA): Ich bin geboren in den 80ern und Mutter einer Tochter. Unter dem Pseudonym Jules B. Asches schreibe ich allerlei düstere, phantastische Geschichten mit viel Liebe, Herzeleid und einem Hang zum milden Körperhorror.
Für das PAN-Stipendium habe ich mich letztes Jahr mit meinem Projekt „Die Siebzehnte“ beworben, einer Mystery-Fantasy-Geschichte mit Horrorelementen. Sie erzählt vom Wunsch nach und der Angst vor Freiheit, von verlorenen Erinnerungen und geerbter Schuld. In einer vom Osteuropa der 1950er inspirierten Welt wird die junge Hochstaplerin Saga plötzlich zu genau der Wahrsagerin, die sie stets nur vorgegeben hat zu sein. Mit einem Mal gerät sie zwischen Geister, alte Blutlinien und eine Verschwörung, die das Ende der Welt herbeirufen könnte. Im Angesicht eines scheinbar unaufhaltsamen Untergangs muss Saga entscheiden, was sie zu opfern bereit ist.
Nele Sickel (NS): Ich bin Jahrgang 1990, Exilberlinerin, lebe in Braunschweig und schreibe märchenhaft-atmosphärische Phantastik. Zu meinen literarischen Vorlieben zählen skurrile Figuren, Raumschiffe und prägnante Enden. Bisher habe ich hauptsächlich Kurzgeschichten veröffentlicht, möchte mich aber in den kommenden Jahren mehr Richtung Romane orientieren. In meinem Projekt „Junges Blut und alte Knochen“ vereine ich meine Liebe zur Science Fiction mit meinem Faible für slawische Märchen.
Junipa Green (JG): Ich bin Debütautorin aus Baden-Württemberg und habe mit dem Young Adult-Projekt „Funkenfeuer“ das PAN-Stipendium 2025 in der Kategorie Kinder- und Jugendbuch gewonnen.
In der Geschichte geht es um die 16-jährige Cinda, die nach einem Schicksalsschlag zu ihrer exzentrischen Tante nach Italien zieht – und zwar ausgerechnet nach San Corvo, Venedigs kleinstem Stadtteil am äußersten Zipfel der Lagune. Der Ort verbirgt ein düsteres Geheimnis und als in Cinda die Magie der goldenen Flamme erwacht, ist es an ihr herauszufinden, was das Jahr 1576, die Farben des Feuers und ihre eigene Familiengeschichte damit zu tun haben. Das alles wäre schon kompliziert genug, wenn es da nicht auch noch Nero gäbe, den mysteriösen Jungen mit dem Raben auf der Schulter, der ihre Gefühlswelt tüchtig auf den Kopf stellt …
PAN: Mit welchen Erwartungen seid ihr in diesen Wettbewerb gegangen?
NS: „Junges Blut und alte Knochen“ ist ein ziemlich wilder Genre-Mix und wird auf dem Buchmarkt nicht leicht unterzubringen sein. Vom Stipendium habe ich mir hauptsächlich Motivation erhofft. Ein Zeichen, dass nicht nur ich an diese schräge Geschichte glaube. Und das habe ich bekommen.
JG: Ehrlich gesagt, hat es mich schon völlig umgehauen, meinen Namen auf der Shortlist zu lesen. Zumal die anderen Projekte supergut klangen. Bei der Preisverleihung lag ich im Krankenhaus und war völlig von den Socken, als mein Name fiel. Ich war froh, dass ich so eine nette Mitpatientin hatte, die mir mehrmals bestätigen musste, dass da gerade wirklich mein Name genannt wurde. Ich weiß nicht, ob ich es ansonsten geglaubt hätte. Vielleicht floss sogar ein Tränchen. 🙂
JBA: Ehrlich gesagt mit gar keinen. Aber wenn es etwas gibt, das ich gar nicht mag, dann ist es die Frage: Was wäre gewesen, hätte ich damals …? Also folge ich meinen Impulsen, wann immer es möglich ist. Und die Erfahrung einer Bewerbung bei PAN wollte ich unbedingt machen. Nun habe ich mir aber in unserem geliebten Genre der Phantastik eine besonders schnuckelige, weirde und kuriose Ecke gesucht, um mich darin einzurichten. Oder vielleicht hat diese Ecke auch einfach mich gefunden … Deshalb hatte ich keine festen Erwartungen. Ich denke, es braucht vor allem den Glauben an das eigene Projekt. Und den Mut, etwas in die Welt hinauszuschicken, egal, wie es landen wird.
PAN: Welche (vielleicht auch unerwarteten) Erfahrungen habt ihr mit dem Wettbewerb gemacht?
JG: Dass es ernst wird. Vorher habe ich fröhlich vor mich hingewurschtelt, konnte in aller Ruhe dasselbe Kapitel zum hundertsten Mal verbessern (oder verschlimmbessern …) und plötzlich war da meine Mentorin Nina, die mir im positiven Sinne Feuer unterm Hintern gemacht hat. Es ist wirklich ein großes Geschenk, mit jemandem wie ihr, die zum einen viel Erfahrung mitbringt und zum anderen Lust auf die Geschichte und die Figuren hat, über den Plot, Marketing und persönliche Befindlichkeiten reden zu können. Und natürlich gute Tipps zu bekommen!
NS: Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass ich bei der Verleihung so unglaublich nervös sein würde, dass ich die Hinweise auf meinen eigenen Text nicht mehr verstehe. Aber umso größer war die Freude kurz darauf. Sonst habe ich vor allem einige wunderbare Gelegenheiten zum Austausch mit anderen Autor*innen mitgenommen.
JBA: Ganz oben auf der Skala des Unerwarteten stand natürlich der Gewinn des Stipendiums in meiner Kategorie. Die Shortlist-Platzierung war schon absolut surreal, aber den Namen meines Projekts dann auch noch im Live-Stream zu hören und zu erfahren, dass die Jury an das Projekt glaubt, hat mir starken Auftrieb gegeben. Was ich allerdings ebenfalls nicht im Ansatz zu träumen gewagt hätte, war, wie persönlich und unendlich flexibel sich das Mentoring mit Bettina Kuhlmann von Gutenbergs Nachtschicht gestaltet.
Ich hatte einen etwas holprigen Start und auch zwischendurch Phasen, in denen ich alles angezweifelt habe. Die Gespräche mit Bettina haben mir mehr als einmal zurück in die Spur geholfen. Dabei ging es nie darum, mich zu einer anderen Schreibenden zu machen, sondern vielmehr darum herauszufinden, was mich hemmt und wie ich am besten arbeiten kann. Die Zusammenarbeit mit Bettina hat mir vor allem gespiegelt, dass der Schreibprozess etwas zutiefst Individuelles ist. Ich darf auf meinen eigenen Weg vertrauen. Das empfinde ich als unfassbar hilfreich.
PAN: Was hattet ihr euch für die Zeit des Mentorings vorgenommen?
NS: Als ich das Projekt eingereicht habe, hatte ich kaum mehr als die Leseprobe geschrieben und dachte, ich könnte vielleicht gemeinsam mit meiner Mentorin die Feinheiten des Plots strukturieren. Allerdings ging das Schreiben dann flüssiger als geplant und ich hatte schon eine fertige Rohfassung, als ich die Zusage für das Stipendium bekam. Ich habe mir deshalb das Ziel gesetzt, die verschiedenen Erzählstimmen auf Konstanz abzuklopfen.
JBA: Zu Beginn hatte ich nur ein paar Kapitel und eine wirre Loseblattsammlung vorzuweisen, Charaktere, die sich noch nicht so recht selbst kannten und im Zusammenspiel erst einmal ein Profil mit ordentlicher Tiefe entwickeln mussten. Also eine gute Aufgabe, die ich mit etwas unbezahltem Urlaub von meinem Brotjob angehen wollte.
Der Plan war es, einige Freitage zum Schreibtag zu erklären und Vollgas zu geben. Idealerweise wollte ich vor der Sommerhitze das Wörtchen ENDE tippen, mich anschließend mit meiner Mentorin noch einmal an den Text kuscheln und gemeinsam möglichst viel Potenzial herauskitzeln. Gleichzeitig hatte ich vor Augen, was für unfassbar organisierte, talentierte Schreibende es da draußen gibt. Solche, die ein Exposé einreichen, einen Plot im Kopf haben und sich dann daranhalten können. Ich wollte mehr wie diese Schreibenden werden und dadurch etwas mehr Ordnung in meinen Schreibprozess bringen.
JG: Ich wollte mich mit meiner Mentorin Nina vor allem über die Schwachstellen in meiner Geschichte austauschen und über das, was ich am wenigsten kann – Marketing, puh. Gleichzeitig war mir wichtig, dass es auch für sie kein Zwangstermin ist, denn immerhin arbeiten die Mentor*innen auf freiwilliger Basis, und wenn man sich gut versteht und auch mal privat quatscht, ist es bestimmt auch für die Mentor*innen um einiges schöner.
PAN: Habt ihr diese Ziele erreicht?
JBA: Mit einem mittlerweile liebevollen Seitenblick auf die noch immer lose und wachsende Szenensammlung sage ich jetzt mal: in Teilen.
Kurz nach Beginn des Stipendiums habe ich mein Dark-Fantasy-Manuskript „Das Vierte Prinzip“, das noch 2026 beim LeeBooks:-Verlag erscheinen soll, aus dem Lektorat zurückbekommen. Das hat erst einmal zu einer Pause geführt. Und nach der Überarbeitung war ich eine Weile wie leergesaugt. Es hat gedauert, zu „Die Siebzehnte“ zurückzufinden und meine Texte nicht mehr mit absolut überkritischen Augen zu betrachten.
Meine Mentorin Bettina hat mir Mut gemacht, die engen Leitplanken zu lockern, die ich mir durch das Exposé, aber auch durch meine Erwartungen gesetzt hatte, und mein entdeckendes Schreiben, mein Schleifendrehen und mein kreatives Chaos zu umarmen. Routine war wichtig, um wieder in den Fluss zu kommen. Genauso wichtig waren aber auch die Ruhe, um nachzuspüren, was sich richtig anfühlt und was nicht, und das Vertrauen in meinen inneren Kompass als Schreiberin. Beides hat mir geholfen, Druck rauszunehmen und wieder Freude und Raum zum Entdecken zu finden.
JG: Ich hoffe doch! Von meiner Seite auf jeden Fall, ich habe von Nina unglaublich viel Input erhalten, was die Geschichte deutlich vorangebracht hat.
NS: Ja, das und noch mehr. Meine Mentorin war so lieb, den gesamten Entwurf mit mir durchzugehen.
PAN: Wie ist der aktuelle Stand eurer Projekte und was sind eure weiteren Pläne?
JG: Ich hatte, als ich meine Leseprobe für das Stipendium eingereicht habe, tatsächlich nur diese. Mittlerweile bin ich bei 40.000 Wörtern und habe eine Deadline im Nacken, da ich einen ganz tollen Verlag für meine Geschichte gefunden habe. Ein paar Wörter fehlen zwar noch, damit „Funkenfeuer“ 2028 bei Oetinger erscheinen kann, aber ich arbeite mit Hochdruck daran. Leider bin ich wahrlich keine Schnellschreiberin …
NS: Der überarbeitete Entwurf steht und ich überlege jetzt, wie ich das Projekt am besten veröffentliche.
JBA: Die Schallmauer des ersten Aktes wurde durchbrochen, die Charaktere haben ihre Lernaufgaben gefunden, und alles nimmt Fahrt auf. Ich bin mir meiner manchmal schneckenhaften Schreibgeschwindigkeit zwischen Kind, Kegel und Brotjob bewusst, aber es entwickelt sich nur dann etwas Stimmiges, wenn ich aus Inspiration heraus arbeite. Durch das Mentoring habe ich auf jeden Fall noch mehr an der Hand, um zu diesem Zustand zurückzufinden.
Jetzt gilt es, die nächsten beiden Akte fertigzuschreiben. Danach muss Sagas Geschichte nur noch ihren Weg in die Welt finden. Aber wenn mich das Schreiben dieses Projekts bisher eines gelehrt hat, dann, dass manche Dinge ihre ganz eigene Zeit brauchen. Und falls alle Stricke reißen, lege ich einfach die Karten. 😉
PAN: Was möchtet ihr zukünftigen Teilnehmenden mit auf den Weg geben?
NS: Einfach wagen. Schon die Bewerbung auf das Stipendium allein kann unglaublich motivierend sein, selbst wenn man am Ende nicht gewinnt. Für mich war es die zweite Bewerbungsrunde und ich habe auch an die erste Runde, in der ich nicht gewonnen habe, sehr positive Erinnerungen.
JBA: Bewirb dich! Wirklich. Mach es einfach. Ohne Druck, ohne Erwartungshaltung.
Auch wenn ich mich als entdeckende Schreiberin zu einem Teil wieder von meinem Exposé lösen musste: Allein das Schreiben eines solchen nach den Vorgaben kann sehr wertvoll sein. Nicht nur, weil die dabei gesammelte Erfahrung auch für spätere Bewerbungsprozesse eine große Hilfe ist, sondern auch, weil ein zunächst vielleicht noch vages Projekt dadurch an Klarheit und Greifbarkeit gewinnen kann.
Und ganz allgemein: Wenn du etwas zu erzählen hast, dann lass dich von keinem noch so lauten inneren oder äußeren Kritiker und keiner vermeintlichen „Marktenge“ davon abhalten.
JG: Erst einmal überhaupt teilzunehmen! Ich vermute mal, niemand rechnet tatsächlich damit, zu gewinnen und trotzdem ist es möglich. Das Stipendium ist ein riesiges Geschenk, denn wann sonst hat man schon die Gelegenheit, während des Schreibprozesses einen Coach, Seelsorger und Sparringpartner an der Seite zu haben? An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an PAN dafür, dass ihr das möglich macht!
PAN: Vielen Dank für eure Antworten. Wir wünschen euch weiterhin viel Glück und Erfolg in eurem Schaffen!